Dienstag, 12. Mai 2015

Ganz Paris träumt von der Liebe - und das Publikum in der Festhalle träumt mit


Wir sind ja schon einiges gewohnt, was die Qualität der Musiker/innen unserer Steinway-Konzerte betrifft - also im positiven Sinne selbstverständlich. Aber was uns das Muttertagskonzert am vergangenen Sonntag (10. Mai 2015) zu bieten hatte, war so phantastisch, dass es das Publikum beim Schlussapplaus von den Stühlen riss. Kein Wunder.

Die Sopranistin Julia Bachmann hatte kaum den ersten Takt gesungen, da war es allen klar: Das wird hier heute etwas besonders Besonderes. Denn eben noch hatte uns die Sängerin in lockerem Plauderton und per Mikrophon erzählt, was uns in ihren ersten Stücken erwartet - als sie plötzlich das Gerät aus der Hand gab, einen inneren Schalter auf "Gesang" umzulegen schien und die ersten Töne der Arie "Je veux vivre" aus "Romeo und Julia" dermaßen sauber, klar und strahlend in die Halle schmetterte, dass uns der Atem stockte. Innerhalb von Sekunden wussten wir, dass wir hier eine außergewöhnliche Sängerin und einen phantastischen Sonntag vor uns hatten. Und so kam es auch.


Wie auch im vergangenen Jahr haben wir das Muttertagskonzert mit einem Mehr-Gänge-Menue kombiniert. Aber anders als 2014 boten wir dieses Mal Musik und Essen im Wechsel. Eine gute Entscheidung. Auf diese Weise hatten wir das Vergnügen, die Künstler quasi hautnah erleben zu dürfen - die Atmosphäre war von Beginn an so locker, dass wir uns alle als Teil eines großartigen Ganzen fühlen durften. Und der eine oder die andere Zuschauer/in spielte - zwar ungeplant aber keineswegs ungern, wie es schien - eine winzige Rolle, während die Sängerin durch die Reihen schwebte, hier und da eine Schulter berührte oder eine Hand ergriff.

Auch der Bassbariton Nicolas Kröger bewies uns in diesem Rahmen sein schauspielerisches Talent und begeisterte nicht nur durch seine ausdrucksstarke Stimme sondern auch durch seine Art der Darbietung mit mitreißender Gestik und Mimik.


Julia Bachmann und Nicolas Kröger bezauberten uns mit den schönsten Liebesliedern, Opernarien, Chansons und Duetten, die die Musikwelt zu bieten hat. Musik zum Träumen, Leben, Lieben, Lachen, Schwelgen - und ja, auch mal zum melancholisch, nachdenklich oder ein klitzekleines bisschen traurig sein. 

Endgültig hin und weg waren die Zuhörer/innen bei Julia Bachmanns Interpretation des durch Edith Piaf berühmt gewordenenen "Milord". Ihr Mitgefühl für den unter Liebeskummer leidenden "Milord" traf uns genauso ins Herz wie ihr Feuerwerk an überquellender Lebensfreude, die den traurigen Milord mitreißen soll.

Nicolas Kröger hingegen lief zur Höchstform auf, als er das ja eher ruhige aber wunderschöne "C'est magnifique" von Cole Porter im wahrsten Sinne des Worte zum Besten gab. Er sang, als hätte Cole Porter dieses Lied unserem Bass-Bariton auf den Leib geschrieben. An dieser Stelle nutzen wir endlich auch die Gelegenheit, unseren Pianisten Christian Zimmer zu würdigen: Seine wunderbare Begleitung über das ganze Konzert hinweg wurde uns besonders bewusst, als er Nicolas Krögers "C'est magnifique" begleitete: Jazz kann er nämlich auch. Und wie!

Es kam, wie es kommen musste: Zum Schlussappplaus hielt es die Zuhörer/innen nicht mehr auf dem Stuhl. Stehende Ovationen - bis die Erlösung kam: Drei Zugaben und zum endgültigen Abschluss "Champs Elysée".


Und somit hat auch das Publikum einen Applaus verdient: Die Künstler haben sich sichtlich sehr wohl gefühlt bei uns und die Freude und Begeisterung der Zuschauer spürbar aufgenommen.

Und mit diesen Fotos, das die hübsch dekorierte Festhalle während des allmählichen Eintreffens der ca. 70 Gäste zeigt (auf ausdrücklichen Wunsch des Steinway-Vereins ohne aufragenden Blumenschmuck auf den Tischen, um die Sicht nicht zu behindern). bedanken wir uns auch ganz herzlich für die kulinarische Untermalung durch das Berghotel in Wolfshagen - das Vier-Gänge-Menue hat den wunderbaren Tag so richtig "rund" gemacht!



Goslarsche Zeitung, 15.05.2015


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