Montag, 22. August 2016

Sonne, Mond und Barbecue - New Orleans Jazz vom Feinsten

Das muss man erstmal hinkriegen: "On the sunny side" so zu singen und zu spielen, dass schon beim ersten Titel und mitten in der Festhalle Sonne und Herzen aufgehen, um dann über eine Art musikalisches Barbecue ("Struttin With Some Barbecue") zu wandeln und schließlich stimmungsvoll durchs Mondlicht mit Klarinette und gedämpfter Posaune ("Blue Moon") zu schlendern. Letzteres wurde so einfühlsam vorgetragen, dass sich die Autorin dieser Zeilen trotz spätvormittäglicher Stunde gedanklich wieder in die Bettdecke kuschelte und das Mondlicht durchs Fenster betrachtete.

Und das alles bereits in den ersten drei Titeln.


Die Qualität, die Abwechslung, die Stimmungsschwankungen und das musikalische Können wurden selbstverständlich über das ganze Konzert hinweg gehalten. Wer "Ottilie & The Hot Onions" bereits z.B. vom Vorjahres-Konzert her kannte, hatte daran natürlich keinen Zweifel. Und wie im letzten Jahr auch überraschte die Band immer wieder mit dem großen Können aller Musiker und der Sängerin bzw. Percussionistin "Ottilie" alias Gabriele Schulz. Erstaunlich die Bandbreite ihrer Stimme und die Vielseitigkeit ihres Schlagzeug-Spiels: Da traktierte sie schmissig das Waschbrett zur großen Freude des Publikums so lange, bis die Metallhütchen auf ihren Fingern quasi glühten. Dann wieder berührte sie Becken und Trommeln so zart, dass man kaum glauben mochte, dass das dieselben Instrumente waren, die noch im vorigen Stück so energisch rhythmisch sämtliche Füße, Finger, Hände oder Oberkörper an den Zuhörertischen zum Wippen gebracht hatten.


Bandleader Heiner Ranke bewies auch in diesem Jahr erneut sein Können sowohl auf der Klarinette als auch auf dem Saxophon. Die Klarinette kam immer dann zum Einsatz, wenn es in den Stücken ruhig, melancholisch und besinnlich zuging. Besonders beeindruckend das Lieblingsstück des Tages (jedenfalls für die Autorin): "Bei mir bist du schön" - nach bester Klezmer-Art und so hinreißend interpretiert, dass die Zuhörer bei den ruhigen Passagen den Atem anzuhalten schienen, um dann mit großer Erleichterung wieder Luft zu holen und dem Rhythmus wippend zu folgen, wenn das Tempo rasant zulegte.


Das Publikum belohnte Musiker und Sängerin mit stehenden Ovationen und sorgte so für eine Zugabe, die das Waschbrett zur Begeisterung aller noch einmal in dem Mittelpunkt stellte: Mit "Washboard Wiggles" klang das Konzert aus, die letzten Gläser Bier, Sekt und Mineralwasser wurden geleert und der Heimweg beschwingt angetreten. DANKE und Tschüss bis nächstes Jahr! Bitte gerne wieder. 

Bei einem kurzen Plausch mit dem Bandleader nach dem Konzert erzählte Heiner Ranke, dass die Band in dieser Zusammensetzung ja eigentlich gar nicht so oft gemeinsam auftritt - alle Musiker spielen in verschiedenen Bands und Konstellationen, der Bassist ist Profi-Musiker. Folglich schwirrten die Bandmitglieder nach dem Auftritt in Wolfshagen im Harz in ganz unterschiedliche Richtungen: Frankfurt, Berlin, Hamburg,... Wolfshagen fühlt sich besonders geehrt, dass sich hier alle bereits zum zweiten Mal als "Ottilie & The Hot Onions" zusammengefunden haben. 


Christian Sterz, Banjo. Großartiges Spiel auf dem Instrument mit dem unverwechselbares Klang.
Joachim Dette, Bass. Kaum zu glauben, welche Töne und Klänge einem solchen Rieseninstrument zu entlocken sind - wenn man das Spiel perfekt beherrscht. Joachim Dette beherrscht es. Besonders eindrucksvoll waren die beiden Instrumente in einem Trio gemeinsam mit dem Flügel.


Hans Kaspar, Flügel. Eine Ehre für unseren Steinway-Flügel war sein gesamtes Spiel, atemberaubend seine Soli. Das Publikum genoss das Vergnügen, den Pianisten ein ganzes Stück lang solo hören zu dürfen.
Benedikt Tonon, Posaune. Ob mit oder ohne Dämpfer - dieser Musiker führte uns meisterlich ein Instrument vor, das sich erstaunlicherweise nie in den Vordergrund drängelte und doch dem gesamten Konzert das gewisse Etwas verlieh. Gut, dass wir das Vergnügen hatten, die Posaune in diversen Soli auch bewusst wahrnehmen und genießen zu können.

Wer gestern nicht dabei sein konnte, nun neugierig auf die Band geworden ist und sich bis zum nächsten Jahr vertrösten muss, hier der Programmzettel:


Danke an alle, die zum Gelingen des Konzerts beigetragen haben, nicht zuletzt an das Publikum und den Wirt der Festhalle. Ein besonderer Dank geht an die Berliner Wolfshägerin, die erstens dafür gesorgt hat, dass wir die Band nach Wolfshagen locken konnten und zweitens alle Musiker am Abend vorher bei sich zuhause beherbergt hat. Als kleiner Verein sind wir ja immer darauf angewiesen, die "Nebenkosten" so gering wie möglich zu halten.

Wir freuen uns auf nächstes Jahr.


Montag, 8. August 2016

Jazz Matinee mit Gute-Laune-Garantie

"Bude voll, Stimmung super, Musik SPITZENKLASSE!" - so begeistert haben wir uns nach dem letzten Konzert von Ottilie & The Hot Onions in unserer Konzertnachlese geäußert. Und so begeistert werden wir auch nach dem kommenden Konzert sein, da sind wir uns ganz sicher.

Sonntag, 21. August 2016
11.00 Uhr - Jazz-Matinee 
mit der New Orleans Jazzband aus Berlin
in der Festhalle in Wolfshagen im Harz, Am Jahnskamp 4

Die Besetzung
  • Ottilie: Gabriele Schulz, Gesang und Percussion
  • Benedikt Tonon, Posaune
  • Christian Sterz, Banjo
  • Hans Kaspar, Piano
  • Joachim Dette, Kontrabass 
  • Heiner Ranke, Klarinette und Alt- Saxophon (Band Leader) 
Weitere Informationen zum Vorverkauf und Fahrdienst finden Sie hier >>
Unsere Gäste können ab sofort ihre Karten auch im Vorverkauf über die Konzertkasse erwerben.

https://drive.google.com/file/d/0B2ufpeZVAqGJeFotc0pJbzJfRGs/view?usp=sharing





Freitag, 15. Juli 2016

Ein Samstag zum Lachen...


Kabarett und Chansons von und mit Rainer Schulze:

Die Goslarsche Zeitung hat ausführlich zitiert und für uns den Samstagnachmittag zum Lachen zusammengefasst. Hier lesen Sie den Bericht >>

Danke, Rainer Schulze. Danke, liebes Publikum, für's Kommen und für's Lachen. Danke, Joachim Dürich von der GZ.

Montag, 9. Mai 2016

Fliegende Finger, schwebende Stimme, atemlose Stille - das war "Bella Italia"

Meine Güte, war das schööön! Selbst jetzt beim Schreiben dieser Zeilen - mit neunzehn Stunden zeitlichem Abstand zum Muttertagskonzert - steigt in mir Rührung auf. Nicht nur ich* war überwältigt von den musikalischen und technischen Spitzenleistungen unserer drei Künstler/innen Carmen Fuggiss, Christine Balke und Christian Zimmer - meine Tischnachbarn äußerten sich ähnlich begeistert. Und dass das gesamte Publikum in atemloser Stille nach mehreren Musikstücken nicht sofort zu klatschen wagte, sprach Bände. Selbst die anwesenden (Klein-)Kinder waren mucksmäuschenstill.


Ich habe sie noch im Ohr, die lupenreine helle Stimme der Koloratursopranistin Carmen Fuggiss. Mehr als einmal staunte ich, dass sich die Stimme dieser ausdrucksstarken Sängerin scheinbar von ihrem Körper gelöst hatte und selbstständig im Raum zu schweben schien. Das waren die Momente, in denen ich mir verstohlen ein paar Rünrungstränen aus dem Augenwinkel wischte. Auch wenn sie nicht sang, sondern uns mit ihrer volltönenden Sprechstimme Interessantes zu den folgenden Stücken erzählte, stand sie als große Künstlerin vor uns. Überhaupt: Wie sie ihre Lieder mit Gestik und Mimik untermalte! Ich gahe davon aus, dass sie die italienischen Texte nicht etwa perfekt auswendig gelernt hatte sondern den Sinn der Worte hundertprozentig verstand. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, den Inhalt der Lieder dank der schauspielerischen Leistung von Carmen Fuggiss trotz meiner Unkenntnis der italienischen Sprache vom Sinn her nachvollziehen zu können. Die hervorragende Sängerin verwöhnte uns mit bekannten und weniger bekannten Liedern und Arien und verstand es, auch solche "Ohrwürmer" wie die Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen oder die Caprifischer so zu singen, dass das Publikum zwar emotional mitging (und bei letzterem sogar ausdrücklich zum Mitsingen aufgefordert war), aber nie in schunkelnde Schlagerstimmung verfiel.




Ich sehe sie noch vor mir, die rasend flinken Finger der Cellistin Christine Balke - unglaublich die Geschwindigkeit, in der sie auch die höchsten Töne treffsicher erreichte. Sehr beeindruckend auch der schnelle Wechsel zwischen dem "normalen" Spiel des Cellos (also dem Streichen der Saiten mit dem Bogen) und dem Pizzicato (dem Zupfen der Saiten mit den Fingern - was ich persönlich sehr gerne höre). Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich das große Vergnügen, Die Figaro-Variationen aus dem "Barbier von Sevilla" in einer Fassung von Mario Castenuovo-Tedesco für Cello und Piano zu hören. Es war nicht das letzte Mal. Dieses atemberaubende Stück scheint eigens dafür geschrieben worden zu sein, Pianisten und Cellisten die Gelegenheit zu geben, ihr Können zu beweisen. Wer nicht die Gelegenheit hatte, Christine Balke und Christian Zimmer in Wolfshagen am Harz zu erleben, und das Stück trotzdem einmal hören möchte: Hier gibt es ein YouTube-Video mit dem Kostov-Valkov Duo >>. Verstehen Sie meine Begeisterung? Die selbstverständlich durch das persönliche Hören und Sehen der Künstlerin in der Festhalle besonders groß war.


Ich träume noch den Klängen hinterher, die Christian Zimmer unserem Steinway-Flügel entlockte, als er das Venetianische Gondellied von Felix Mendelssohn.Bartholdy (Opus 30, Nr.1) so wunderbar einfühlsam für uns spielte. Hach, wer wäre dabei nicht gern mit dem oder der Liebsten durch Venedig gegondelt... Christian Zimmer ist aus Wolfshagen im Harz ja mittlerweile nicht mehr wegzudenken - so oft hatten wir bereits das Vergnügen, ihn in unseren Konzerten zu erleben. Es ist für mich immer wieder beeindruckend, mit welchem Talent er die Signale der mit ihm Musizierenden aufnimmt und dafür sorgt, dass alle in gleichem Rhythmus und Tempo zur exakt gleichen Zeit spielen. Das klappt sogar, wenn - wie gestern zum Beispiel - die Cellistin mit dem Rücken zu ihm sitzt. Und, lieber Christian Zimmer, auch wenn Sie bescheiden behauptet haben, die Figaro-Variationen aus dem "Barbier von Sevilla" (s.o.) seien für den Pianisten nicht so schwer zu spielen wie für die Cellistin: Wer Sie gehört und Ihre Finger gesehen hat, weiß, dass auch in Ihrer Rolle ein großer Könner am Werk war.


Es war ein großartiges Konzert. Der Wechsel zwischen Musik und Speisen gab uns die Gelegenheit, über das Gehörte zu sprechen, neue Menschen kennzulernen oder sich mit Bekannten, die man länger schon nicht gesehen hat, zu unterhalten. Das sehr gute Essen (auch in vegetarischer und veganer Variante), die hübsch gedeckten Tische und die bewundernswerte Organisation beim Auf- und Abtragen der Speisen hat die Mittagsstunden in der Festhalle zu einem wunderbar runden Erlebnis werden lassen. Das Berghotel Wolfshagen hat damit auch in diesem Jahr wieder entscheidend zum Gelingen des Konzerts beigetragen.

Vielen herzlichen Dank allen, die uns an diesem Tag so sehr bezaubert oder das Ereignis so gut organisiert haben! Vielen herzlichen Dank unseren Gästen, dass Sie uns durch ihren Besuch beehrt haben - wir freuen uns darauf, Sie bei einem unserer nächsten Konzerte wiederzusehen.



* Autorin Antje Radcke